Bundesweite Schadstoffsanierung für ihr Gebäude

Früher inno­vative Bau­tech­no­logie,heute ein Fall für die Schad­stoff­sanierung

Asbest ist ein natürlich vorkommendes Fasermineral, das aufgrund seiner hohen Beständigkeit gegenüber Hitze, Chemikalien und mechanischer Belastung bis 1993 in Deutschland breit eingesetzt wurde. Der Hauptverwendungszeitraum liegt zwischen etwa 1950 und 1990. Typische Anwendungen sind Asbestzementplatten an Fassaden und Dächern (z. B. Wellplatten und Fassadenplatten), Brandschutzverkleidungen, Rohr- und Kesselisolierungen, Fliesenkleber, Putze sowie Bodenbeläge wie Vinyl-Asbest-Platten. Bekannte Produktbeispiele sind Eternit-Platten, Spritzasbest in technischen Anlagen sowie asbesthaltige Fliesenkleber alter Bauchemieprodukte. Asbest findet sich besonders häufig in Wohn- und Gewerbebauten aus dieser Bauzeit. Die Gefährdung entsteht durch freigesetzte Fasern insbesondere bei Beschädigung oder Bearbeitung.

Künstliche Mineralfasern umfassen Glaswolle und Steinwolle, die seit den 1950er Jahren als Standarddämmstoffe im Hochbau eingesetzt werden. Sie dienen vor allem dem Wärme- und Schallschutz. Typische Einsatzbereiche sind Dach- und Zwischensparrendämmungen, Fassadenkonstruktionen, abgehängte Decken sowie Installationsschächte und technische Rohrisolierungen. Ältere Produkte, insbesondere vor etwa 1996, können kritischere Faserstrukturen aufweisen. Neuere Produkte sind in der Regel biologisch besser löslich und weniger problematisch.

PAK entstehen bei unvollständigen Verbrennungsprozessen und wurden im Bauwesen vor allem über teer- und pechhaltige Produkte eingebracht. Der relevante Einsatzzeitraum liegt vor allem bis in die Mitte der 1980er Jahre. Typische Anwendungen sind Parkettkleber (häufig schwarzer Kleber), Abdichtungen, Fugenmassen sowie Beschichtungen im Keller- und Außenbereich. Bekannte Materialien sind z. B. teerhaltige Parkettkleber, schwarze Bauwerksabdichtungen auf Teerbasis sowie Bitumenanstriche mit hohem PAK-Anteil. PAK finden sich häufig in Bodenaufbauten unter Altparkett, in Kellern sowie an erdberührten Bauteilen.

PCB wurden zwischen etwa 1955 und 1983 in zahlreichen technischen und baulichen Anwendungen eingesetzt. Aufgrund ihrer chemischen Stabilität sind sie heute noch in vielen Bestandsgebäuden nachweisbar. Typische Anwendungen sind elastische Fugenmassen in Betonfertigteilbauten, Dichtstoffe, Beschichtungen sowie elektrische Bauteile wie Kondensatoren in Leuchten oder Transformatoren. Bekannte Produktbereiche umfassen z. B. Thiokol- und polysulfidbasierte Fugenmassen bestimmter Hersteller, alte dauerelastische Fassadenfugen sowie Kondensatoren in Leuchtstofflampen-Systemen. PCB sind stark persistent, reichern sich in der Umwelt an und gelten als gesundheitlich kritisch, insbesondere bei Freisetzung durch Bearbeitung.

Holzschutzmittel wurden insbesondere zwischen 1950 und 1985 intensiv eingesetzt, um Holz gegen Insekten- und Pilzbefall zu schützen. Dabei kamen heute verbotene biozide Wirkstoffe zum Einsatz. Typische Einsatzbereiche sind Dachstühle, Fachwerk, Holzbalkendecken und tragende Holzkonstruktionen. Häufige Produkte aus dieser Zeit waren z. B. PCP-haltige Mittel wie Xylamon oder Xyladecor (ältere Rezepturen), lindanhaltige Holzschutzmittel sowie teerölbasierte Imprägnierungen wie Carbolineum. Die Belastung ist oft tief im Holz eingebunden und kann über Ausgasungen oder Staubfreisetzung relevant werden, insbesondere bei Sanierungsarbeiten oder Rückbau.

Formaldehyd ist ein gasförmiger Stoff, der vor allem aus Holzwerkstoffen und Klebern freigesetzt wird. Der Einsatz im Bauwesen reicht von den 1950er Jahren bis in die 1990er Jahre mit deutlich reduzierten Emissionen in neueren Produkten. Typische Quellen sind Spanplatten, MDF- und zum Teil OSB-Platten, Laminatböden, Möbel sowie Innenausbauplatten. Bekannte Produktgruppen sind z. B. frühere P2-Spanplatten, günstigere Möbelserien aus Pressholz sowie Holzwerkstoffplatten aus dem Innenausbau der 1970er bis 1990er Jahre. Belastungen treten insbesondere in Innenräumen mit hohem Holzwerkstoffanteil auf und sind stark abhängig von Lüftung und Materialqualität.